← Zurück zu Narbenwissen

Narbenwissen

Koennen Narben vollstaendig entfernt werden?

Fachärztlich geprüfte Patienteninformation

Aus medizinischer Sicht ist es sehr schwierig, eine bereits entstandene Narbe wirklich wieder in normale Haut zu verwandeln, die so aussieht, als wäre sie nie verletzt worden.

Sobald die Haut bis in die Dermis verletzt ist, repariert der Körper den Defekt mit Kollagen und extrazellulärer Matrix. Das verheilte Gewebe kann sich in mikroskopischer Struktur, Elastizität, Farbe und Hautanhangsgebilden von der ursprünglichen Haut unterscheiden. Haarfollikel, Schweißdrüsen, Talgdrüsen, feine Hauttextur und die normale Kollagenanordnung lassen sich meist nur schwer vollständig nachbilden.

Realistische Behandlungsziele bei Narben sind daher: die Narbe schmaler, flacher, weicher und farblich ähnlicher zur umgebenden Haut zu machen sowie Zuggefühl, Schmerzen, Juckreiz und funktionelle Einschränkungen zu verringern.

Bei manchen Narben mit günstiger Lage, kleiner Fläche, geringer Spannung und sachgerechter Frühbehandlung kann durch mikrochirurgisch feine Rekonstruktion, plastisch-chirurgische Naht, Laser, Silikon, Spannungsreduktion und langfristige Pflege ein nahezu unsichtbares Ergebnis erreicht werden.

Warum lassen sich Narben nicht wie mit einem Radiergummi entfernen?

Eine Narbe ist neues Gewebe, das nach der Wundheilung entsteht. Bei der Heilung tiefer Wunden bilden Fibroblasten große Mengen Kollagen, um den ursprünglichen Gewebedefekt aufzufüllen. Dieser Prozess schließt die Wunde, hinterlässt aber auch strukturelle Unterschiede. Oberflächliche Pigmentflecken, leichte Rötungen oder postinflammatorische Hyperpigmentierungen können zum Beispiel manchmal allmählich verblassen; eingesunkene, verdickte oder kontrakte Narben sowie Keloide betreffen dagegen Veränderungen der Dermis und des Unterhautgewebes und sind schwieriger zu behandeln.

Der Ausdruck "vollständig entfernen" weckt leicht überhöhte Erwartungen. Treffender sind die Begriffe "Narbenkorrektur" oder "Narbenrekonstruktion". Plastische Chirurgen wählen je nach Narbentyp unterschiedliche Verfahren: Eine schmale feine Narbe kann präzise ausgeschnitten und neu vernäht werden; eine hypertrophe Narbe kann mit Injektionen, Laser, Silikon und Drucktherapie kontrolliert werden; eingesunkene Narben können durch Subzision, Auffüllung und fraktionierten Laser verbessert werden; kontrakte Narben müssen gelöst werden; und größere Defekte können Hauttransplantate, Lappenplastiken, Gewebeexpansion oder mikrochirurgische Rekonstruktionen erfordern.

Welche Narben haben bessere Chancen, "unauffällig" zu werden?

Ob eine Narbe nahezu unsichtbar werden kann, hängt von vielen Faktoren ab. Je verdeckter die Lage, je geringer die Hautspannung, je feiner die Narbe, je stabiler ihr Verlauf und je besser die umgebende Hautqualität ist, desto größer ist in der Regel der Spielraum für eine Verbesserung.

Manche kleinen linearen Narben im Gesicht können sehr unauffällig werden, wenn sie entlang der Hauttextur, Falten oder natürlichen Schattenlinien verlaufen und anschließend fein vernäht sowie konsequent nachbehandelt werden.

Auch die frühe Behandlung ist wichtig. Bei einer sorgfältigen Wundreinigung sollte gründlich gespült, abgestorbenes Gewebe, Fremdmaterial und Blutkoagel entfernt, wichtige Nerven und Blutgefäße geschützt und verwertbares Gewebe möglichst erhalten werden. Unregelmäßige Wunden können um etwa 1 Millimeter fein angefrischt werden, um frische Wundränder zu schaffen und die postoperative Narbenbildung zu verringern. Oberflächliche Wunden können mit feinem Nahtmaterial spannungsfrei verschlossen werden; tiefere Wunden erfordern eine schichtweise Naht von Muskulatur, Unterhautgewebe und Haut.

An Lippen, Nase und Augenregion ist die anatomische Ausrichtung besonders wichtig. Bei Lippenverletzungen muss zum Beispiel zuerst die Lippenrotgrenze exakt bestimmt werden; bei Nasenverletzungen müssen anatomische Punkte wie Nasenspitze, Nasenflügel und Columella wiederhergestellt werden. Wenn Schlüsselstrukturen genau ausgerichtet sind, erholen sich Aussehen und Funktion später besser.

Warum kann mikrochirurgisch feine Rekonstruktion Narben unauffälliger machen?

Mikrochirurgisch feine Rekonstruktion bedeutet, Gewebe unter Vergrößerung zu behandeln, zusätzliche Verletzungen möglichst zu vermeiden und Haut, Schleimhaut, Muskeln, Blutgefäße, Nerven und wichtige anatomische Orientierungspunkte präzise aneinander anzupassen. Ihr Wert liegt nicht nur darin, "fein zu nähen"; dazu gehört auch einzuschätzen, welches Gewebe erhalten werden kann, wie Spannung reduziert wird, wie die Schnittführung geplant wird und welches möglichst ähnliche Gewebe zur Defektdeckung gewählt wird.

Bei verstreuten Hautstücken und Lappen nach Gesichtsverletzungen sollte verwertbares Gewebe je nach Verschmutzung und Durchblutung möglichst erhalten werden; im Gesicht sollte Gewebe nicht leichtfertig großflächig entfernt werden. Wunden werden im Allgemeinen möglichst innerhalb von 8-12 Stunden versorgt. Wenn keine Zeichen einer akuten Infektion bestehen, können manche Gesichtsverletzungen auch nach mehr als 24 Stunden noch nach Anfrischen der Wundränder fein vernäht und rekonstruiert werden.

Diese Grundsätze sind sowohl für die Narbenvorbeugung als auch für die Narbenkorrektur wichtig. Grobe Wundreinigung, gewaltsames Zusammenziehen, Fehlstellung der Naht und zu hohe Hautspannung erhöhen das Risiko auffälliger Narben, Organverformungen und einer schwierigeren sekundären plastischen Korrektur.

Feine Rekonstruktion kann das ursprüngliche Gewebe möglichst schützen und Schnitte an sinnvolleren Stellen platzieren, sodass spätere Narben feiner, flacher und besser verborgen sind.

Wann sind Hauttransplantate, Lappenplastiken oder mikrochirurgische Rekonstruktionen nötig?

Kleine lineare Narben lassen sich durch Ausschneiden und feine Naht verbessern. Größere Defekte dürfen nicht erzwungen zusammengezogen werden, weil dies leicht zu Verformung, übermäßiger Spannung und hypertropher Narbenbildung führt.

Bei Wunden von mehr als 1 Zentimeter sollte die Defektdeckung zum Beispiel unter Berücksichtigung von Organform, Gesichtskontur, Hautfarbe und Textur mit lokalen Lappen, freien Hauttransplantaten oder freien zusammengesetzten Gewebetransplantaten gewählt werden.

Mikrochirurgie eignet sich eher für komplexe Defekte und empfindliche Funktionsbereiche. Bei der Rekonstruktion von Weichteildefekten im Mund-Kiefer-Gesichts-Bereich können zum Beispiel mikrochirurgisch ausgedünnte anterolaterale Oberschenkel-Perforatorlappen zur Versorgung von Defekten an Zunge, Wange, Mundboden und Gingiva eingesetzt werden.

Weichteildefekte an Fingern stellen hohe Anforderungen an Aussehen, Tastgefühl und Funktion. Bei einer verfeinerten Lappenübertragung vom Fuß zur Rekonstruktion von Fingerweichteildefekten lassen sich zum Beispiel eine gute Lappenbeschaffenheit, eine ansprechende Form, eine verdeckte Entnahmestelle und eine relativ gute Wiederherstellung der Fingerfunktion erreichen.

Manche komplexen Verletzungen oder Defekte können durch Mikrochirurgie und verfeinertes Lappendesign funktionell wiederhergestellt und zugleich ästhetisch auf ein hohes Niveau gebracht werden. Für gewöhnliche Narben bedeutet das: "nahezu unsichtbar" wird nicht allein durch Salben oder Laser erreicht, sondern häufiger durch das Zusammenwirken von Frühbehandlung, Gewebeauswahl, schichtweiser Naht, Spannungsreduktion und langfristigem Management.

Welche Narben sind sehr schwer vollständig unsichtbar zu machen?

Wenn Narben großflächig, lange bestehend, wiederholt infiziert, stark gespannt, deutlich anders gefärbt, in tieferen Schichten stark verklebt sind oder bereits eine Kontraktur oder ein Keloid gebildet haben, wird die Korrektur deutlich schwieriger.

An Brust, Schultern und Rücken, Unterkieferregion und Ohrläppchen entstehen pathologische Narben leichter. Ausgedehnte Narben nach Verbrennungen, Kontrakturnarben in Gelenknähe, Keloide und mehrfach rezidivierte Narben lassen sich meist nicht mit einer einzigen Behandlung "unsichtbar" machen.

Eingesunkene Narben haben ebenfalls eigene Schwierigkeiten. Aknenarben, Einsenkungen nach Verletzungen und postoperative Dellen betreffen häufig einen Verlust von dermalem Kollagen und subkutane Verklebungen. Sie benötigen oft eine Kombination aus Subzision, fraktioniertem Laser, Radiofrequenz-Microneedling, Füllung oder Operation. Das Behandlungsziel ist meist, die Vertiefung flacher, die Ränder weicher und die Hauttextur ebenmäßiger zu machen.

Bei Keloiden ist besondere Vorsicht nötig. Sie wachsen über die ursprünglichen Wundgrenzen hinaus und treten nach alleiniger Entfernung leicht wieder auf. Die Behandlung erfordert oft eine Kombination aus Injektionen, Operation, Strahlentherapie, Druck, Silikon und langfristiger Nachsorge. Ziel ist bei dieser Narbenart meist, das Wachstum zu kontrollieren, Rückfälle zu verringern, Juckreiz und Schmerzen zu lindern und das Aussehen zu verbessern.

Auch die postoperative Pflege beeinflusst das Endergebnis

Narbenkorrektur endet nicht mit dem Abschluss der Operation. Ein neuer Schnitt durchläuft weiterhin Entzündung, Proliferation und Reifung, und die postoperative Pflege beeinflusst die endgültige Spur direkt. Nach dem Fadenzug sollten geeignete Anti-Narben-Maßnahmen wie Silikongelfolien und Narbencremes so früh wie möglich begonnen werden; ein späteres Narbenmanagement ist notwendig.

Zur täglichen Pflege gehören Spannungsreduktion, Sonnenschutz, Silikon, Feuchtigkeitspflege, Vermeidung von Kratzen und Reibung sowie pünktliche Kontrolltermine. Bei Narben in Gelenknähe sind außerdem Rehabilitationstraining und Schienenmanagement nötig. Gute Pflege erleichtert eine ruhige Narbenreifung; unzureichende Pflege kann selbst eine fein versorgte Wunde breiter, dicker, röter oder stärker pigmentiert werden lassen.

Wie lässt sich beurteilen, welche Narbenkorrektur geeignet ist?

Plastische Chirurgen beurteilen Narbentyp, Lage, Fläche, Tiefe, Farbe, Härte, Spannung, Symptome und weitere Faktoren gemeinsam.

Bei linearen Narben wird geprüft, ob die Schnittrichtung neu geplant werden kann; bei hypertrophen Narben, ob sie noch aktiv sind; bei Keloiden, ob sie über die ursprüngliche Wunde hinausreichen, ob sie rezidiviert sind und ob eine familiäre Neigung besteht; bei eingesunkenen Narben, ob subkutane Verklebungen vorliegen; und bei Kontrakturnarben, ob Gelenk- oder Organfunktionen beeinträchtigt sind.

Wenn das Ziel lautet, die Narbe "möglichst unauffällig" zu machen, werden meist mehrere Verfahren kombiniert. Häufige Kombinationen sind feine Exzision mit schichtweiser spannungsreduzierender Naht, Z-Plastik oder W-Plastik zur Richtungsänderung, lokale Lappen zur Defektdeckung, Vollhauttransplantate zur Verbesserung von Farbe und Textur, Gewebeexpansion zur Bereitstellung ähnlicher Haut, mikrochirurgische Lappen zur Rekonstruktion komplexer Defekte sowie ergänzend Laser, Silikon, Injektionen, Sonnenschutz und anderes.

Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine persönliche ärztliche Untersuchung.

Literatur

  1. Li Huiyuan, Lu Kaihua, Guo Shuzhong, Hrsg.: Neue Narbenkunde, Verlag der Vierten Militärmedizinischen Universität. 2003 Link
  2. Wu Limeng, Jiang Canhua, Chen Jie et al.: Feine Rekonstruktion von Weichteildefekten im Mund-Kiefer-Gesichts-Bereich mit mikrochirurgisch ausgedünnten anterolateralen Oberschenkel-Perforatorlappen, Chinese Journal of Microsurgery, 2017
  3. Ou Changliang, Zhou Xin, Luo Xuxiang et al.: Rekonstruktion von Fingerweichteildefekten mit mehreren verfeinerten Lappentransplantaten vom Fuß, Chinese Journal of Microsurgery, 2021
  4. Cheng Qian, Yu Ye, Hu Liang et al.: Anwendung verfeinerter pflegerischer Interventionen bei perinealer Narbenkorrektur, Chinese Journal of Injury Repair and Wound Healing (Electronic Edition), 2018
  5. Han Tong, Li Jiang, Chen Wenping: Klinische Anwendung feiner Rekonstruktionstechniken in der Notfallbehandlung von Gesichtsverletzungen, Chinese Journal of Medical Aesthetics and Cosmetology, 2016