Stirn, Augenlider und Lippen liegen in wichtigen Bereichen des Gesichts. Wenn dort Narben entstehen, fallen selbst leichte Narben, Einsenkungen, Zugwirkungen oder Farbunterschiede anderen Menschen relativ leicht auf.
Außerdem erfüllen diese Regionen klare Funktionen: Die Stirn steht mit der Position der Augenbrauen und dem Haaransatz in Beziehung, die Augenlider mit dem Öffnen und Schließen der Augen und dem Schutz des Augapfels, und die Lippen mit Essen, Sprechen, Mimik, Form der Mundwinkel und Kontinuität der Lippenrotgrenze.
Deshalb geht es bei der Narbenrekonstruktion in diesen Bereichen nicht nur um die Korrektur der Narbe selbst. Zugleich sollen Kontur, Beweglichkeit, Symmetrie und Hautbeschaffenheit so weit wie möglich wiederhergestellt werden.
Rekonstruktion von Stirnnarben: Augenbrauen, Haaransatz und Hautbeschaffenheit schützen
Stirnnarben entstehen häufig nach Verbrennungen, Verletzungen, Operationsschnitten oder der Entfernung von Hautveränderungen.
Der plastische Chirurg muss mehrere Faktoren beurteilen, etwa Größe und Lage der Narbe, ob sie an der Augenbraue zieht, ob sie die Stirnmimik beeinflusst und ob die umgebende Haut ausreichend locker ist.
Kleine lineare Narben können mit feiner Exzision, mehrschichtiger spannungsentlastender Naht, Z-Plastik oder W-Plastik behandelt werden. Ziel ist, die Narbenrichtung an die natürliche Hautstruktur anzupassen. Nach Entfernung größerer Narben kann ein direkter Wundverschluss zu einer Verlagerung der Augenbraue, Verformung der Stirn oder zu hoher Schnittspannung führen; dann müssen Lappenplastiken oder Gewebeexpansion erwogen werden.
Ein expandierter Kopfhautlappen ist eine häufig verwendete Methode zur Rekonstruktion der Stirn und bestimmter Gesichtsläsionen. Dabei wird je nach Größe der Veränderung ein Expander ausgewählt, unter die Galea aponeurotica eingelegt und nach ausreichender Expansion die Wunde nach Entfernung der Läsion durch direkten Vorschub oder einen Transpositionslappen gedeckt.
Bei der Stirnrekonstruktion muss außerdem das Haar berücksichtigt werden. Kopfhautlappen sind gut durchblutet und liefern ausreichend Gewebe, können nach Verlagerung auf Stirn oder Gesicht jedoch Haare tragen. Deshalb sind nach der Operation häufig mehrere Laser-Haarentfernungen erforderlich.
Rekonstruktion von Augenlidnarben: Zuerst Lidschluss und Schutz des Augapfels wiederherstellen
An Augenlidnarben werden sehr hohe funktionelle Anforderungen gestellt. Das Oberlid muss sich zum Beispiel heben und schließen können, das Unterlid muss am Augapfel anliegen, und die Positionen des inneren und äußeren Augenwinkels müssen stabil bleiben.
Eine Narbenkontraktur kann Ektropium, Entropium, unvollständigen Lidschluss, Tränenfluss, trockene Augen und Hornhautreizung verursachen; in schweren Fällen kann sie das Sehvermögen beeinträchtigen.
Bei posttraumatischen Lidfehlstellungen, etwa häufigem Unterlid-Ektropium, Narbenkontraktur des inneren Augenwinkels, Verlagerung des medialen Lidbandes und Verlagerung des lateralen Augenwinkelpunkts, nutzen Ärzte häufig Schnitte der Doppellidoperation, modifizierte Z-Lappen-Schnitte für die mediale Kanthoplastik und Schnitte für die laterale Kanthoplastik, kombiniert mit Vollhauttransplantation, Verankerung des medialen Lidbandes und Aufhängung des lateralen Lidbandes.
Ein Ektropium des Augenlids entsteht meist durch Narbenkontraktur oder einen Defekt von Haut und Weichgewebe. Die Behandlung erfordert eine vollständige Lösung der Narbenkontraktur, anschließend je nach Defekt eine Vollhauttransplantation, einen expandierten Lappen, einen Muskel-Haut-Lappen oder einen freien Lappen.
Warum sollten Operationsschnitte am Augenlid möglichst versteckt werden?
Die Lidhaut ist sehr dünn, und die lokalen Strukturen sind komplex. Die Lage des Schnitts beeinflusst daher direkt das Aussehen nach der Operation. Die Doppellidfalte, die mediale Lidfalte und natürliche Linien am äußeren Augenwinkel sind verborgene Schnittbereiche, die genutzt werden können. Über solche kosmetischen Zugänge können Ärzte gleichzeitig Narben lösen, Haut transplantieren, Lidbänder reponieren und die Lidform rekonstruieren, wodurch zusätzliche Schnitte reduziert werden.
Rekonstruktion von Lippennarben: Lippenrotgrenze, Mundwinkel und Mimik ausrichten
Lippennarben treten häufig nach Verbrennungen, Verbrühungen, Verletzungen, Tumorentfernung, Infektionen oder Operationen auf.
Die Oberlippe ist besonders empfindlich, weil sie Lippenrotgrenze, Philtrumleisten, Philtrumgrübchen, Nasolabialfalte, Mundwinkel und Bartbereich umfasst. Schon eine geringe Fehlstellung kann eine deutliche Asymmetrie verursachen. Bei der Beurteilung von Lippennarben achten Ärzte besonders darauf, ob die Lippenrotgrenze durchgehend ist, ob der Mundwinkel gezogen wird, ob die Mundöffnung eingeschränkt ist, ob die Nasolabialfalte verschwunden ist und ob Hautfarbe und Hautdicke passen.
Zur Rekonstruktion von Haut- und Weichgewebsdefekten der Oberlippe kann unter anderem ein nasolabialer Wangenlappen verwendet werden. Seine Vorteile sind die unmittelbare Nähe, ähnliche Farbe und Beschaffenheit sowie die Möglichkeit, den Schnitt teilweise in der Nähe der Nasolabialfalte zu verbergen. Er eignet sich für kleine bis mittelgroße Defekte der Oberlippe. Bei größeren Narben um Mund und Kinn kann, wenn lokale Haut nicht ausreicht, ein expandierter Lappen oder gestielter Lappen erwogen werden.
Narben um Mund, Kinn und im Gesichts-Hals-Bereich müssen zugleich auf funktionellen Zug beurteilt werden.
Sind Narben um Mund und Kinn großflächig, können sie an Unterlippe, Mundwinkel, Nasenflügel und Kinn-Hals-Region ziehen. Betroffene können eine eingeschränkte Mundöffnung, Speichelfluss nach außen, Auswärtskippen der Unterlippe, undeutliche Sprache und unnatürliche Mimik entwickeln. Narben im Gesichts-Hals-Bereich können außerdem das Senken, Heben und Drehen des Kopfes beeinträchtigen.
Das Behandlungsziel in dieser Situation ist daher nicht nur die Verbesserung der Hautoberfläche. Es muss auch die Lösung tiefer Narbenverklebungen und die Wiederherstellung der anatomischen Positionen von Mund, Nase, Kinn und Hals berücksichtigen.
Wie Ärzte die Rekonstruktionsmethode auswählen
Kleine, oberflächliche lineare Narben werden häufig mit feiner Exzision, spannungsentlastender Naht, Z-Plastik oder W-Plastik behandelt. Wenn lokales Gewebe fehlt, die benachbarte Haut aber gute Voraussetzungen bietet, kann ein lokaler Lappen verwendet werden. Bei größeren Flächen, hohen Anforderungen an Farb- und Texturübereinstimmung und dehnbarer umgebender Haut kann eine Gewebeexpansion erwogen werden.
Bei der Reparatur größerer Stirn- und Gesichtsläsionen können Kopfhautlappen oder expandierte Kopfhautlappen eine größere Gewebemenge bereitstellen. Bei Narbendeformitäten der Augenlider muss die Planung jeweils nach Befunden wie Ektropium, Entropium, Defekt des Bindehautsacks und Verlagerung der Lidbänder erfolgen.
Darüber hinaus hängt der Behandlungsplan vom Alter des Patienten, der Stabilität der Narbe, einer möglichen Neigung zu Keloiden, der lokalen Durchblutung, früheren Operationen und der Fähigkeit zur postoperativen Pflege ab.
Für feine Bereiche wie Augenlider und Lippen bevorzugen Ärzte meist benachbartes Gewebe mit ähnlicher Farbe, Dicke und Beschaffenheit, um auffällige Farbunterschiede und sekundäre Fehlstellungen zu verringern.
Auch die postoperative Pflege beeinflusst das Endergebnis
Nach der Rekonstruktion von Narben an Stirn, Augenlidern und Lippen entstehen erneut Schnitte. Deshalb müssen nach der Operation Spannung kontrolliert, Infektionen verhindert, die Durchblutung des Lappens beobachtet, Fäden rechtzeitig entfernt, Silikon- oder spannungsentlastende Produkte verwendet und je nach Situation Laser-, Injektions- oder Drucktherapie ergänzt werden.
Nach Operationen um den Mund ist auf Mundhygiene zu achten, und eine zu weite Mundöffnung mit Zug auf den Schnitt sollte vermieden werden. Nach Augenlidoperationen müssen Lidschluss, Hornhautreizung, Tränenfluss und Anliegen des Lids am Augapfel beobachtet werden. Nach Stirn- und Kopfhautlappenoperationen sind Haaransatz, Augenbrauenposition und Enthaarungsbereiche wichtig.
Bei expandierten Lappen muss bereits die Expansionsphase selbst betreut werden. Zu schnelles Auffüllen, schlechte Durchblutung des Lappens, Infektion und Freilegung des Expanders können spätere Operationen beeinflussen.
Wie weit kann sich der Befund nach der Rekonstruktion verbessern?
Unter geeigneten Bedingungen können lineare Stirnnarben, kleine Augenlidnarben und begrenzte Oberlippendefekte nach sorgfältiger Planung deutlich schmaler, flacher und heller werden und auf normale soziale Distanz sogar schwer zu erkennen sein.
Bei komplexen Narben sind die Ziele breiter: Wiederherstellung des Lidschlusses, Verbesserung von Ektropium oder Entropium, Korrektur des Zugs an Mundwinkel und Nasenflügel, Wiederherstellung der Augenbrauenposition sowie Verringerung von Farbunterschieden und Kontrakturen.
Eine Narbenrekonstruktion kann keine vollständige Rückkehr zur Haut vor der Verletzung garantieren. Durch präzise Schnittplanung, benachbarte Gewebelappen, expandierte Lappen, Vollhauttransplantate, Fixierung der Lidbänder, Laser-Haarentfernung und postoperative Anti-Narben-Behandlung können Aussehen und Funktion jedoch in einen stabileren Zustand verbessert werden.
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